Rückblick

Ein Abend im Schauspielhaus zwischen Swipen, Scrollen und KI

Am Mittwochabend waren die Kammerspiele des Schauspielhauses Bochum voll – ausverkauft. „Wer liked uns offline?“ hieß der Abend und es ging um eine Frage, die viele kennen, aber selten aussprechen: Wir sind ständig verbunden und fühlen uns trotzdem oft wenig gesehen. Was passiert mit unserem Miteinander, wenn Nähe, Aufmerksamkeit und Zugehörigkeit immer stärker über Bildschirme laufen und wie verändern KI und Social Media unsere Beziehungen?

Wir wollten das nicht mit erhobenem Zeigefinger und Technik-Schelte verhandeln, sondern neugierig, ehrlich und ambivalent. Digitale Lebenswelten haben ihr Für und Wider und beides hat an diesem Abend Raum bekommen.

Fünf Stimmen, ein Gespräch

Auf der Bühne saßen fünf sehr unterschiedliche Menschen, die das Thema jeweils von einer anderen Seite kennen:

Joris – Sänger und Songwriter, der beschreiben kann, wie es sich anfühlt, vor Tausenden gefeiert zu werden und sich trotzdem zu fragen, ob jemand einen selbst meint oder nur das Bild von einem. Vor zwei Jahren war er bei uns im Schauspielhaus als Musiker dabei, diesmal kam er zum Reden.

Tessniem Kadiri – freie Journalistin aus dem Ruhrgebiet, in Duisburg geboren. Sie kennt die einseitige Nähe zu Gesichtern auf dem Bildschirm von der Medienseite und hat eingeordnet, wie Nachrichten und Aufmerksamkeitslogik unser Miteinander prägen.

Dr. Marie-Kristin Döbler – Soziologin am ISF München, Ehrenmitglied bei uns im Verein und schon vor zwei Jahren Teil des Podiums. Sie forscht dazu, wie technisch vermittelte Nähe echte Verbundenheit schaffen kann – oder eben nicht.

Prof. Dr. Hendrik Heuer – Forscher für vertrauenswürdige KI am CAIS hier in Bochum. Er hat sichtbar gemacht, warum wir sehen, was wir sehen, und dabei einen optimistischen Ton gehalten: Wir sind nicht so hilflos, wie oft angenommen.

Jill – eine Schülerin aus Bochum und die einzige junge Stimme auf der Bühne. Sie hat verhindert, dass Erwachsene über eine Generation reden, die direkt neben ihnen sitzt. Was sie erzählt hat, hat sie selbst bestimmt – und genau das war stark.

Durch den Abend geführt hat Bianca Hauda. Für den musikalischen Moment vor der Pause sorgte Lina Maly, die mit zwei Liedern und ein paar persönlichen Worten den Ton getroffen hat, um den es an diesem Abend ging und selbst Joris hat sich zum Schluss noch spontan an das Klavier gesetzt.

Der Abend stand nicht allein

Er war der Höhepunkt einer ganzen Woche im Schauspielhaus. Vom 6. bis 8. Juli lief tagsüber unsere Werkstatt gegen Einsamkeit – mit offenen Formaten, in denen wir nicht nur über Einsamkeit geredet, sondern gemeinsam ins Handeln gekommen sind. Los ging es am Montag bei „Käffken, Kniffte und gute Gespräche“, ganz niedrigschwellig bei Kaffee, selbstgebackenen Kuchen, Brötchen und einer bunten Truppe an besuchenden. In der „Ideenwerkstatt: Verbunden in Bochum“ haben wir zusammengetragen, was es in der Stadt konkret braucht, damit Begegnung leichter wird. Dazu kamen Formate wie „Wege aus der Einsamkeit“, ein Generationsdialog und ein Spaziergang durch Ehrenfeld.

Danke

Wir sind vielen Menschen dankbar. Den Gästen auf der Bühne, Lina Maly, Bianca Hauda, dem Team des Schauspielhauses Bochum, allen, die in der Werkstatt und in der Ideenwerkstatt mitgedacht haben und einem Publikum, das nicht nur zugehört, sondern sich eingelassen hat. Ein ausverkaufter Saal, der zeigt: Das Schauspielhaus war ein Ort, an dem aus einem schweren Thema etwas Hoffnungsvolles wachsen kann.

Was daraus wird, haben wir am Tag danach mit der Bochumer Verabredung in verbindliche nächste Schritte übersetzt. Aber das ist eine eigene Geschichte.